Was tun gegen falsche Schufa-Einträge?

Was die Schufa und andere Auskunfteien speichern, kann von erheblicher Bedeutung sein. Negative Einträge können die Finanzierung des Eigenheims oder den Abschluss des Mietvertrags für eine neue Wohnung gefährden. Mitunter kann eine unbezahlte Handyrechnung existenzbedrohend werden, etwa weil ein zugesagter Kredit nicht ausgezahlt wird.

Wie Sie an die bei Schufa und Co. gespeicherten Daten herankommen, was sie gegen negative Einträge unternehmen können und weitere nützliche Tipps.

Tipp:
Die Schufa ist die bekannteste Auskunftei, es gibt aber noch zahlreiche weitere. Auch Bürgel, Creditreform, Infoscore und viele weitere speichern finanzrelevante Informationen über Kunden. Für sie gelten dieselben Grundsätze wie für den Marktführer.

1. Was speichert die Schufa?

Die Schufa speichert folgende Informationen:

  • Namen, Geburtsdatum und ggf. -ort, Anschrift sowie eventuelle sonstige und frühere Anschriften
  • den von der Schufa berechneten Basisscore

Ferner werden Informationen über Bankkonten, Kreditkarten, Leasingverträge, Telekommunikationskonten, Versandhandelskonten, Ratenzahlungsgeschäfte, Kredite und Bürgschaften gespeichert sowie Informationen zu nicht vertragsgemäßem Verhalten.

2. Was bedeutet der Basisscore?

Werden beispielsweise Kreditraten nicht gezahlt oder durch die Bank gekündigt, meldet das Unternehmen dies der Schufa. Aus den Informationen wird der sogenannte Basisscore berechnet. Dieser soll die Wahrscheinlichkeit angeben, mit der eine Forderung zurückgezahlt wird. Die Berechnung ist geheim, nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs muss die Schufa ihre genaue Berechnungsmethode nicht offenlegen (BGH, Urteil vom 28.01.2014 – VI ZR 156/13).

3. Fristen für die Speicherung

Auskunfteien dürfen personenbezogene Daten nicht unbegrenzt speichern. Nach einer gewissen Zeit sind die Daten zu löschen. Die Löschfristen sind sehr unterschiedlich.

Löschfristen Schufa

4. Beantragen Sie jährlich eine kostenlose Auskunft

Jeder hat die Möglichkeit, einmal im Jahr eine kostenlose Auskunft über die Daten zu erhalten, die bei einer Auskunftei gespeichert sind. Rechtsgrundlage ist § 34 des Bundesdatenschutzgesetzes.

Die Schufa stellt für die Beantragung ein Formular bereit, das Sie nutzen können. Kreuzen Sie die Option „Aktuelle Wahrscheinlichkeitswerte“ an, um neben den gespeicherten Daten auch Ihren Basisscore zu erfahren. Achten Sie darauf, dass Sie nicht die kostenpflichtige Bonitätsauskunft bestellen.

5. Voraussetzungen für eine Meldung bei der Schufa

An die Schufa darf nicht jeder Zahlungsverzug gemeldet werden. Nur unter bestimmten Umständen darf ein Unternehmen der Auskunftei Bescheid geben. Bezahlt der Schuldner eine geschuldete Leistung nicht, muss das Unternehmen nach § 28a Abs. 1 BDSG in der Regel zusätzlich wie folgt vorgehen:

  • Sie müssen in der Regel mindestens zwei Mahnungen erhalten.
  • Das Unternehmen muss Ihnen die Übermittlung an die Auskunftei in der ersten Mahnung androhen.
  • Die Übermittlung darf frühestens vier Wochen nach der ersten Mahnung vorgenommen werden.
  • Wenn Sie in der Zwischenzeit die Berechtigung der Forderung gegenüber dem Unternehmen bestreiten, ist eine Übermittlung nicht mehr zulässig.

Wird die Schufa informiert, obwohl Sie die Forderung gegenüber dem Gläubiger bestritten haben, wenden Sie sich an die Auskunftei und verlangen Sie die Löschung. Legen Sie am besten kurz dar, warum Sie die Forderung für nicht berechtigt halten. Das Schreiben, mit dem Sie die Forderung gegenüber dem Gläubiger bestritten haben, sollten Sie beifügen.

Allerdings: Wenn der Gläubiger wegen Zahlungsrückständen den Vertrag mit Ihnen fristlos kündigen kann und er Sie über die Übermittlung unterrichtet hat, kann er auch eine streitige Forderung an die Schufa übermitteln.

Die Auskunftei muss allerdings nach § 35 Abs. 4 BDSG die Daten sperren, deren Richtigkeit Sie bestreiten. Die gesperrten Daten dürfen dann bei Anfragen ersteinmal nicht mehr übermittelt werden.

6. Unzutreffende Einträge müssen entfernt werden

Das Unternehmen, das einen Schufa-Eintrag veranlasst hat, ist gesetzlich verpflichtet, Änderungen innerhalb eines Monats an die Schufa zu melden (§ 28a Abs. 3 BDSG). Wenn Sie die gemeldete Forderung bezahlt haben, muss dies also innerhalb dieses Zeitraums vermerkt werden.

Stellt sich heraus, dass die zu Ihnen gespeicherten Daten falsch sind, haben Sie einen Anspruch auf eine Korrektur. Fordern Sie das betroffene Unternehmen und die Schufa zur Löschung auf und setzen Sie eine Frist. Wird Ihrer Aufforderung nicht entsprochen, sollten Sie sich anwaltlich beraten lassen. Unterstützung können Sie auch von den Verbraucherzentralen oder der Bundesdatenschutzbeauftragten bekommen.

7. Wenn Ihnen wegen falscher Einträge ein Schaden entsteht

Meldet ein Unternehmen voreilig Daten an eine Auskunftei, kann der Kunde Schadensersatzansprüche geltend machen. Wird wegen des Schufa-Eintrags beispielsweise eine günstige Finanzierung abgelehnt, können Sie verlangen, dass es Ihnen entstandene Nachteile ersetzt werden (LG Bonn, Urteil vom 30.12.2009 – 18 O 310/09).

Wenn Sie wegen eines unberechtigten Schufa-Eintrags einen Anwalt beauftragen müssen, hat das Unternehmen Ihnen außerdem die entstehenden Anwaltskosten zu ersetzen (Amtsgericht Halle (Saale), Urteil vom 28.02.2013 – 93 C 3289/12).

Checkliste: Auskunfteien

1. Beantragen Sie jährlich eine Auskunft bei den großen Auskunfteien
2. Überprüfen Sie, ob die Daten aktuell und korrekt sind
3. Wenden Sie sich an das Unternehmen, das die Speicherung veranlasst hat, wenn Sie der Auffassung sind, dass ein Fehler vorliegt
4. Fordern Sie das Unternehmen schriftlich dazu auf, die Löschung zu veranlassen, zeigen Sie auf die Kosequenzen des falschen Eintrags hin (z.B. wenn die Auszahlung eines Kredits in Gefahr ist) und setzen Sie eine Frist
5. Schalten Sie einen Anwalt ein, wenn das Unternehmen Ihrer Aufforderung nicht nachkommt


Über den Autor

Dr. Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät kleine und mittelständische Unternehmen im Medienrecht, IT-Recht und Wettbewerbsrecht. Mehr zu den Tätigkeitsbereichen erfahren Sie hier.

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4 Kommentare

  • Was tun gegen falsche Schufa-Einträge? | Fachberatung Schuldnerberatung

    […] Zum Aufsatz […]

    4. August 2017 um 13:46 | Hinterlasse einen Kommentar
  • Was tun gegen falsche Schufa-Einträge – sperre

    […] Rechtsanwalt Jasper Prigge setzt sich mit Schufaeinträgen auseinander. Was die Schufa und andere Auskunfteien speichern, kann von erheblicher Bedeutung sein. Negative Einträge können die Finanzierung des Eigenheims oder den Abschluss des Mietvertrags für eine neue Wohnung gefährden. Mitunter kann eine unbezahlte Handyrechnung existenzbedrohend werden, etwa weil ein zugesagter Kredit nicht ausgezahlt wird. Wie Sie an die bei Schufa und Co. gespeicherten Daten herankommen, was Sie gegen negative Einträge unternehmen können und weitere nützliche Tipps finden Sie im Internet unter folgendem Link: […]

    14. August 2017 um 13:51 | Hinterlasse einen Kommentar
  • Cornelia Anders

    Sehr geehrter Herr Prise,
    für mich liegt ein Negativeintrag bei Infoscore Consumer Data GmbH vor. Dieser gilt längst als erledigt, wird aber für 3 Jahre gespeichert. Infoscore Consumer hat mich darauf hingewiesen, dass ich einen schriftlichen Antrag auf kulante vorzeitige Löschung stellen kann. Dies geschieht aber nur, wenn dies gut begründet wird. Was gilt als gültiger Grund, der zu einer vorzeitigen Löschung führen wird?
    Ich freu mich auf baldige Antwort.
    Mit freundlichen Grüßen
    Cornelia Anders

    18. April 2019 um 10:12 | Hinterlasse einen Kommentar
  • Demant H. Arno

    Sehr geehrter Herr Prigge,
    von der Fa. Rheinenergie AG, Köln erfahre ich gestern, dass sie über mich (Anfang Mai bereits)eine negative Schufa-Auskunft erhalten hat. Daher will man mit mir keinen Leasingvertrag über eine Solaranlage abschließen.
    Ich lasse sie mir zukommen und stelle fest, dass bereits kein Geburtsdatum gespeichert ist. Der Score liegt – ohne jede weitere Angabe – bei 437.
    Eine meiner Banken bestätigt mir, sie habe im Gegensatz dazu von der Schufa eine Auskunft, „die besser kaum sein könnte“ (mit Geburtsdatum).
    Rheinenerge sieht sich (sie beliefern mich seit über 20 Jahren mit Strom, früher auch mit Gas, und Heizstrom), nicht in der Lage, eine korrekte Auskunft anzufordern, obwohl sie vergessen hat, das Geburtsdatum einzubeziehen.. Ich verliere derzeit pro Monat 250 €
    Bei Schufa kann man für 49,95 € eine falsche Auskunft löschen lassen. Ich sehe aber nicht ein, für einen Fehler, die diese gemacht hat, auch noch zu zahlen und auf Schadenersatz (auch wegen Rufschädigung, inzwischen befasst sich auch eine Versicherung mit der Causa) zu verzichten.
    Ich (Freiberufler) beschäftige mich inzwischen seit gestern 16 Uhr fast ununterbrochen mit der Malaise.

    Was ist bevorzugt geboten?

    MfG

    HAD

    25. Juli 2019 um 15:54 | Hinterlasse einen Kommentar
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