Verschlüsselung: Polizei kann „Face ID“ ohne Probleme umgehen

Das Entsperren des Smartphones per Fingerabdruck ist heute weit verbreitet, nun soll mit Apples „Face ID“ das Gesicht als Identifizierung herhalten. Dabei eignet sich das Wort „herhalten“ sehr gut für die Beschreibung eines Problems: Was, wenn einem die Polizei zum Entsperren das iPhone vors Gesicht hält? Das Tech-Magazin WIRED hat diese Frage jüngst aufgeworfen und in der Tat stellt sich die rechtliche Frage, ob dies in der Zukunft eine Möglichkeit ist, an gespeicherte Daten zu kommen.

In Deutschland besteht für Beschuldigte keine Verpflichtung, ein Passwort für sein Smartphone oder andere Speichermedien an die Ermittlungsbehörden herauszugeben. Der Grund: Man ist nicht verpflichtet der Polizei dabei zu helfen, sich selbst einer Tat zu überführen. Jeder Beschuldigte kann sich auf ein umfassendes Schweigerecht berufen und muss bei Ermittlungsmaßnahmen nicht aktiv mitwirken. Wenn ein Polizeibeamter aber den Finger des Beschuldigten auf den Fingerabdrucksensor legt, müsste dieser den körperlichen Zwang dulden. Nach wohl überwiegender Ansicht soll dies keinen Eingriff in die Selbstbelastungsfreiheit darstellen. Dem Beschuldigten wird hierbei nämlich kein aktives Tun abverlangt. Dem entsprechend wäre auch das Entsperren des Smartphones durch „Face ID“ nach der Strafprozessordnung zulässig. Diese Ansicht ist freilich nicht unumstritten, es wird also einige Gerichtsentscheidungen brauchen, um sicher sein zu können. Aber die Einführung von „Face ID“ ist ein guter Anlass, sich über die Risiken klar zu werden.

Die Verschlüsselung von Smartphones stellt für die Ermittlungsbehörden ein Ärgernis dar. Ob man wirklich jede Möglichkeit, die das Smartphone bietet, nutzen muss, ist jedem selbst überlassen. Bestimmte technische Lösungen machen es den Beamten einfacher als andere, an die gewünschten Informationen zu gelangen. Wer nicht will, dass Ermittlungsbehörden ohne größere Schwierigkeiten auf das Smartphone zugreifen kann, sollte daher (ganz oldschool) eine PIN verwenden.


Über den Autor

Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät Privatpersonen sowie kleine und mittelständische Unternehmen in medien- und
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