Studium und Beruf: Was tun bei nicht bestandenen Prüfungen?

Die Abschlussprüfung ist der Schlusspunkt von Studium und Berufsausbildung. Sie entscheidet darüber, ob und mit welcher Note ein berufsqualifizierender Abschluss erworben wird. Wird die Prüfung nicht bestanden oder ist das Ergebnis für den Prüfling aus anderen Gründen nicht zufriedenstellend, kann die Prüfung angefochten werden.

Brauche ich für eine Prüfungsanfechtung einen Rechtsanwalt?

Eine Prüfungsanfechtung kann auch ohne Rechtsanwalt angestoßen werden. Wegen der hohen Komplexität des Verfahrens ist Prüflingen aber zu empfehlen, frühzeitig einen Rechtsanwalt mit spezifischen Kenntnissen im Prüfungsrecht zu beauftragen. Denn wie bereits angesprochen hängt der Erfolg des Verfahrens maßgeblich davon ab, dass mögliche Verfahrens- oder Bewertungsfehler benannt werden. Darüber hinaus ist es auch sinnvoll, die Erfolgsaussichten von einem Dritten prüfen zu lassen, weil es den Betroffenen verständlicherweise oft schwer fällt, bei der Begutachtung ihrer Prüfungsleistungen objektiv zu bleiben.

Was kostet eine Prüfungsanfechtung?

Bei Prüfungsanfechtungen vereinbare ich mit meinen Mandantinnen und Mandaten in aller Regel ein Stundenhonorar. Damit haben Sie die volle Kostenkontrolle, sie zahlen nur für die geleistete Tätigkeit.

Eine erste Einschätzung Ihres Falles einschließlich einer Kostenschätzung erhalten Sie im Rahmen einer Erstberatung. Sprechen Sie mich gerne an!

Erneute Prüfung oder Neubewertung möglich

Um gleich zu Beginn mit einem Missverständnis aufzuräumen: Auf rechtlichem Wege ist es nicht möglich, eine Prüfung für bestanden erklären zu lassen. Möglich ist nur eine erneute Chance auf das Bestehen, weil die erbrachte Prüfungsleistung neu zu bewerten ist oder die Prüfung wiederholt werden darf.

Das ist für viele Betroffene unbefriedigend, hat aber seinen Sinn: Die Bewertung von Prüfungen sind immer prüferabhängig. Wie wirkt sich der Ausdruck in einer Deutschklausur auf die Note aus? Wie sind die vielen Rechtschreibfehler zu bewerten und ist die Leistung im Vergleich zu anderen Prüflingen eher besser oder eher schlechter?

Der Prüfer hat deshalb bei schriftlichen wie auch bei mündlichen oder praktischen Prüfungen einen Bewertungsspielraum, innerhalb dessen er eine Prüfungsleistung bewerten kann. Wenn er allgemeine Maßstäbe verletzt, zum Beispiel, weil er eine vertretbare Antwort als falsch bewertet oder durch ein unsachliches Verhalten an den Tag legt, ist die Bewertung rechtswidrig. Das Ziel, die Prüfung zu bestehen, kann nicht unmittelbar eingeklagt werden, der Prüfer oder (im Falle der Befangenheit) ein anderer Prüfer muss die Leistung neu bewerten oder der Prüfling darf die Prüfung wiederholen.

Um am Ende eine Neubewertung erfolgreich durchsetzen zu können, sind verschiedene Punkte zu beachten.

Schritt 1: Will ich überhaupt eine erneute Prüfung/Neubewertung?

Umso wichtiger ist es, sich im Vorfeld intensiv darüber Gedanken zu machen, ob eine Prüfungsanfechtung wirklich der richtige Weg ist. Eine nicht bestandene Prüfung kann viele Ursachen haben, manchmal ist es für Betroffene sinnvoll zu überlegen, ob der eingeschlagene Berufsweg wirklich weiter verfolgt werden soll. Wollen Sie wirklich später in dem Beruf arbeiten? Wenn Sie dies nicht mit Sicherheit sagen können, sollten Sie in sich gehen und sich über Ihre berufliche Zukunft im Klaren werden. Eine anwaltliche Beratung kann Ihnen auch hierbei helfen und Optionen aufzeigen.

Schritt 2: Prüfungsmängel rechtzeitig rügen

In vielen Fällen ist schnell zu handeln, wenn eine Prüfung erfolgreich angefochten werden soll. Denn den Prüfling trifft eine Rügepflicht. Er muss Fehler im Prüfungsablauf (Verfahrensfehler) rechtzeitig geltend machen.

In der Regel wird es bei schriftlichen Leistungen spätestens mit der Bekanntgabe des Ergebnisses nicht mehr möglich sein, sich auf Fehler zu berufen. Deshalb sollte eine Rüge so schnell wie möglich erhoben werden.

Auf Störungen (z.B. Baustellenlärm, Geruchsbelästigungen, Raum zu kalt/zu warm, u.ä.) muss der Prüfling noch während der Prüfung hinweisen, diese sind im Prüfungsprotokoll zu vermerken. Gegebenenfalls kann dann eine Schreibzeitverlängerung gewährt werden.

Schritt 3: Widerspruch einlegen und Akteneinsicht nehmen

Um eine Prüfung erfolgreich anfechten zu können, muss ein Widerspruch gegen die Entscheidung des Nichtbestehens eingelegt werden. Denn mit Zustellung des Ergebnisses läuft die Widerspruchsfrist. Wenn Gebühren anfallen, sind sie im Falle einer Rücknahme des Widerspruchs moderat.

In der Regel wird es erforderlich sein, Akteneinsicht zu nehmen. Auf diesem Wege haben Prüflinge die Chance, Unstimmigkeiten z.B. im Rahmen der Bewertung aufzudecken.

Für Widerspruch und Akteneinsicht muss man nicht unbedingt einen Anwalt beauftragen. In diesem Fall sollten Sie die Behörde darauf ansprechen, ob Sie von Klausuren auch Kopien fertigen können. Denn Bewertungsfehler aufzudecken kann viel Zeit in Anspruch nehmen, bei einem Termin zur Einsichtnahme wird man nur in wenigen Fällen fündig werden.

Schritt 4: Mängel der Prüfung identifizieren

Es gibt zahlreiche Umstände, die eine Prüfung angreifbar machen. In Betracht kommen Verfahrensfehler und Bewertungsfehler.

Beispiele für Verfahrensfehler:

  • Prüfungsdauer
  • Prüfungsinhalt
  • Nichtbeachtung der Prüfungsordnung (z.B. falsche Zusammensetzung der Prüfungskommission, zu lange/zu kurze Prüfung, etc.)
  • Unterlassene Protokollführung
  • Mögliche Befangenheit eines Prüfers
  • Zu Unrecht angenommener Täuschungsversuch

Beispiele für Bewertungsfehler:

  • Falsche Art der Bewertung
  • Unsachlichkeit bei der Bewertung (z.B. herabwürdigende Anmerkungen)
  • Vertretbare Antworten werden als falsch gewertet
  • Vertretbarer Aufbau wird als falsch gewertet

Schritt 5: Widerspruch begründen

Die Begründung von Widersprüchen ist nicht einfach, denn der Prüfling muss, insbesondere was die Bewertung einer Klausur angeht, aufzeigen, warum sie unrichtig sein könnte. Spätestens jetzt sollten Sie sich anwaltlich beraten lassen, zumal die Beauftragung eines Rechtsanwalts dazu beitragen kann, Ihr Ziel auch ohne eine Klage vor dem Verwaltungsgericht zu erreichen.

Wie geht es weiter?

Mit Ihrer Widerspruchsbegründung müssen sich, wenn die Bewertung einer Klausur angegriffen wurde, die Prüfer auseinandersetzen (sog. Überdenkungsverfahren). Umso wichtiger ist es, dass Ihre Bewertung „Hand und Fuß“ hat, denn die Darlegungslast für mögliche Fehler liegt beim Prüfling.

Die Prüfungsbehörde erlässt dann einen Widerspruchsbescheid, der innerhalb eines Monats mit einer Klage zum Verwaltungsgericht angegriffen werden kann.


Über den Autor

Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät Privatpersonen sowie kleine und mittelständische Unternehmen in medien- und
verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten. Mehr zu den Tätigkeitsbereichen
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