Schleichwerbung bei RTL II – „Die Geissens“ und ihre neuen Kleider

Die “ Kommission für Zulassung und Aufsicht“ (ZAK) ist vielen sicherlich kein Begriff, aber sie hat eine wichtige Aufgabe: Sie ist das zentrale Organ der Medienanstalten und zuständig für die Kontrolle der bundesweit tätigen privaten Fernsehsender. Als solche hat die Kommission unter anderem die Möglichkeit, Verstöße gegen die Werbevorschriften des Rundfunkstaatsvertrags festzustellen und ggf. Bußgelder zu verhängen.

Nun hat es RTL II für eine Folge von „Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse“ erwischt.

ZAK stellt Werbeverstoß fest

Wie die ZAK in einer Pressemitteilung schreibt, wurde die von Robert Geiss vertriebene Modelinie „Roberto Geissini“ (wer trägt das bitte?) etwas zu… freizügig dargestellt. Nicht zum ersten Mal, bereits 2017 ging die Medienaufsicht gegen Schleichwerbung in der Sendung vor.

In der beanstandeten Folge der Sendung, die im Oktober 2018 ausgestrahlt wurde, war die Marke „Roberto Geissini“ während der gesamten Sendezeit in Form von auffälligen Motiven, wie Totenköpfen und Kreuzen sowie großen Schriftzügen, auf Shirts, Einrichtungsgegenständen und Caps allgegenwärtig. Dabei gab es dramaturgisch, so die ZAK, keinen Anlass für diese Platzierung der Waren.

Schleichwerbung im TV unzulässig

Die Zuschauer sollen die Möglichkeit haben, zwischen Werbung und inhaltlichem Programm zu unterscheiden. Nach § 7 des Rundfunkstaatsvertrags (RStV) sind Schleichwerbung, Produkt- und Themenplatzierung sowie entsprechende Praktiken grundsätzlich unzulässig. Produktplatzierungen sind nur unter besonderen Voraussetzungen erlaubt, aber nur dezent, denn im Rundfunkstaatsvertrag heißt es:

“ Das Produkt darf nicht zu stark herausgestellt werden“.

§ 7 Abs. 7 Nr. 3 RStV

So manche Youtuber und andere Influencer haben mit dem Begriff der Schleichwerbung bereits unangenehme Bekanntschaft gemacht.

Wer regelmäßig Produktplatzierungen einsetzt, sollte sich mit den rechtlichen Voraussetzungen und Grenzen auseinandersetzen – egal ob er bei RTL II tätig ist oder als Influencer im Netz.


Über den Autor

Dr. Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät kleine und mittelständische Unternehmen im Medienrecht, IT-Recht und Wettbewerbsrecht. Mehr zu den Tätigkeitsbereichen erfahren Sie hier.

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