Master in Psychologie eröffnet Zugang zur Psychotherapeutenausbildung

Ein Masterabschluss in Psychologie berechtigt auch dann zu einer Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten, wenn zuvor kein Bachelorabschluss in Psychologie erworben wurde. Dies hat Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat entschieden, dass eine Diplom-Sozialpädagogin, die an einer staatlich anerkannten Universität berufsbegleitend im Master Psychologie studierte, die Ausbildungsvoraussetzungen erfüllt (BVerwG, Urteil vom 17. August 2017 – BVerwG 3 C 12.16).

Bundesverwaltungsgericht: Master- und Diplomabschluss gleichwertig

Nach § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a PsychThG bestimmt, dass sich zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ausbilden lassen kann, wer die Abschlussprüfung im Studiengang Psychologie, die das Fach Klinische Psychologie einschließt, bestanden hat. Die zuständige Behörde war der Auffassung, dass die Klägerin diese Voraussetzung nicht erfüllte, weil sie keinen Bachelor in Psychologie habe. Der Widerspruch blieb erfolglos, was das Verwaltungsgericht und der Hessische Verwaltungsgerichtshof nicht beanstandeten.

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Urteile der Vorinstanzen geändert und die Behörde zur Feststellung verpflichtet, dass die Klägerin die Voraussetzungen für den Zugang zur Ausbildung erfüllt. Der von ihr bestandene Masterabschluss ist nach Auffassung der Leipziger Richter eine Abschlussprüfung im Sinne des § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a PsychThG. Das Erfordernis eines zusätzlichen Bachelorabschlusses in Psychologie lasse sich der Vorschrift hingegen nicht entnehmen, auch wenn der Gesetzgeber bei Erlass des Psychotherapeutengesetzes im Jahr 1998 als Zugangsvoraussetzung die Diplomprüfung im Studiengang Psychologie vor Augen hatte. Denn trotz der Umstellung Bachelor und Master habe dieser die maßgebliche Vorschrift nicht geändert oder reformiert. Wegen der grundsätzlichen Gleichstellung des Masterabschlusses an einer Universität mit dem Diplomabschluss an einer Universität sei unter Abschlussprüfung auch die Masterprüfung zu verstehen. Der Wortlaut der Norm lasse nicht erkennen, dass auch ein Bachelorabschluss in Psychologie vorliegen müsse.

Bewertung der Entscheidung

Die Entscheidung schafft Rechtssicherheit, sie ist auf inhaltlich zu begrüßen. Denn wenn der Gesetzgeber umfangreiche Änderungen im Studiensystem vornimmt, in Bezug auf andere Gesetze aber untätig bleibt, muss ungeachtet der vielfach geäußerten Kritik am Bologna-Prozess die unter anderem von der Kultusministerkonferenz immer wieder betonte Vergleichbarkeit von Master und Diplom gelten. Masterabschlüsse nicht einheitlich zu handhaben würde eine zusätzliche Voraussetzung schaffen, mit der Folge, dass ein und derselbe Abschluss einen unterschiedlichen Wert hätte. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht glücklicherweise anders gesehen.


Über den Autor

Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät Privatpersonen sowie kleine und mittelständische Unternehmen in medien- und
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