Kununu & Co. – Was ist bei der Bewertung des Arbeitgebers im Internet erlaubt?

Bewertungen sind das Gold des Internets, vor allem für Unternehmen. Schlechte Bewertungen bei Karriereportalen wie Kununu sind ein Problem, weil sie den Eindruck einer realistischen Beschreibung der Arbeitsbedingungen vermitteln. Es ist daher nachvollziehbar, dass Unternehmen zunehmend gegen falsche Bewertungen vorgehen. Kann man eine falsche Kununu Bewertung löschen lassen?

Als (ehemaligem) Arbeitnehmer stellt sich die Frage, ob Bewertungen abgegeben werden dürfen und in welcher Form. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Rechtslage.

Loyalitätpflichen im Arbeitsverhältnis

Negative Äußerungen über den Arbeitgeber können vor allem in einem laufenden Arbeitsverhältnis zum Problem werden. Denn sie können den Arbeitgeber dazu veranlassen, eine Abmahnung oder fristlose Kündigung auszusprechen.

Das bedeutet aber nicht, dass dies bei jeder Kritik möglich ist. Arbeitnehmer können sich auch im Arbeitsverhältnis auf die Meinungsfreiheit berufen. Sie müssen allerdings gewisse Einschränkungen hinnehmen. Durch den Arbeitsvertrag sind sie verpflichtet, auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des Arbeitgebers Rücksicht zu nehmen.

Es versteht sich von selbst, dass der Arbeitgeber grobe Beleidigungen oder schwerwiegende geschäftsschädigende Äußerungen seiner Beschäftigten nicht hinnehmen muss.

Bei sachlicher Kritik kommt es auf die Umstände im Einzelfall an. Unter anderem wird zu berücksichtigen sein, welche Personen die Äußerung wahrnehmen konnten. Bei beruflichen Netzwerken wie Xing oder LinkedIn wie auch bei Kununu sind sie eher kritisch zu sehen. Das gilt insbesondere für Führungskräfte, von denen der Arbeitgeber eine Vorbildfunktion erwarten kann.

Generell gilt, dass öffentliche Äußerungen eher zu einer Kündigung berechtigen können, als wenn Kritik betriebsintern geübt wird. Erst Recht sind die Interessen des Arbeitgebers berührt, wenn sich Kunden beschweren oder eine öffentliche Berichterstattung erfolgt. Zu beachten ist ferner die im Arbeitsvertrag geregelte Schweigepflicht des Arbeitnehmers. Einzelne betriebsinterne Vorgänge dürfen nicht veröffentlicht werden.

Im laufenden Arbeitsverhältnis ist es daher eher nicht ratsam, sich öffentlich negativ über den Arbeitgeber zu äußern, ob über den öffentlichen Facebook-Account oder über ein Bewertungsportal. Nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses sieht dies freilich wieder anders aus.

Zulässigkeit von Bewertungen

Bewertungen werden in der Regel nach Punkten abgegeben. Bei diesen Punktebewertungen handelt es sich um eine Meinungsäußerung. Diese ist durch die Meinungsfreiheit geschützt.

Dabei gibt der Bewertende zu erkennen, dass er zumindest in irgendeiner Beziehung zu dem bewerteten Unternehmen gestanden hat. Die Bewertung eines Unternehmens, mit dem nie ein Kontakt bestand, ist unzulässig.

Bewerten (frühere) Mitarbeiter oder Bewerber, müssen sie ihre Bewertung nicht begründen. Warum sie eine hohe oder niedrige Punktzahl vergeben haben, dürfen sie selbst entscheiden, ohne darüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Das Unternehmen kann einen Beitrag nicht schon deshalb löschen lassen, weil es mit der Bewertung insgesasmt nicht zufrieden ist.

Bei Textbewertungen kommt es darauf an, ob es sich um eine Meinung oder eine Tatsachenbehauptung handelt. Meinungen sind nicht durch Beweismittel überprüfbar. Ein Beispiel ist die Äußerung: „Ich habe mich nicht wohl gefühlt.“ Auch wenn dies dem Unternehmen nicht passt, darf ein früherer Mitarbeiter diese Meinung äußern. Etwas anders würde gelten, wenn der Arbeitnehmer in einem weiteren Satz schreibt: „Jeden Morgen wurde ich von meinem Vorgesetzten eine halbe Stunde angeschrien.“ Ob dies der Wahrheit entspricht, kann durch Beweismittel überprüft werden. Es handelt sich daher um eine Tatsachenbehauptung. Der Arbeitnehmer muss im Zweifelsfall darlegen, dass er tatsächlich jeden Morgen angeschrien wurde. Nur wahre Tatsachenbehauptungen sind rechtlich geschützt, Unwahrheiten hingegen nicht.

Bewertung bei Kununu löschen lassen?

Der Arbeitgeber kann bei unwahren Behauptungen oder Beleidigungen gegenüber dem Bewertungsportal die Löschung einer Bewertung verlangen. Dazu muss er sich an den Betreiber wenden und konkret darlegen, was er beanstandet. Es würde also nicht ausreichen, wenn er schreibt, dass er mit einer Bewertung nicht einverstanden ist. Um eine falsche Kununu Bewertung löschen zu lassen müssten Sie gegenüber Kununu darlegen, aus welchen Gründen Sie annehmen, dass die Bewertung nicht richtig ist.

Zusätzlich kann der Arbeitgeber gegenüber dem Bewertenden im Falle schmähender oder unwahrer Äußerungen verlangen, dass diese in der Zukunft unterlassen werden. Dazu kann er eine Abmahnung aussprechen.

Fazit

Das Äußerungsrecht ist eine komplexe Spezialmaterie. Eine anwaltliche Beratung ist unbedingt zu empfehlen. Dies gilt sowohl für Unternehmen, die sich gegen falsche Bewertungen wehren wollen, als auch für Arbeitnehmer, die mit einer Abmahnung konfrontiert sind.


Über den Autor

Dr. Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät kleine und mittelständische Unternehmen im Medienrecht, IT-Recht und Wettbewerbsrecht. Mehr zu den Tätigkeitsbereichen erfahren Sie hier.

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