Immobilienmakler sein ist hart

Immobilienmakler möchte man zurzeit nun wirklich nicht sein. Der Überlebenskampf ist hart und unerbittlich. Wie man hört und liest ist gar der ganze Berufsstand bedroht, nicht nur weil dieses Internet mittlerweile so gut wie jeden Trottel in die Lage versetzt, Immobilien anzubieten. Nein, auch die Politik macht den emsigen Vermittlern das Leben schwer. Nicht von ungefähr geisterte vor kurzem die Idee eines Arbeitskampfes der Immobilienmakler durch die Presse. Die Stimmung ist schlecht, das Image noch schlechter.

Was tun, wenn jetzt auch noch die kärgliche Courtage für Mietwohnungen, vor allem in Städten mit angespannten Wohnungsmarkt, ausbleibt? Zeit für einen Befreiungsschlag, das denken sich mittlerweile offenbar viele in der Vermittlerzunft. Sie verfolgen eine pro aktive Strategie und setzen auf den direkten Kundenkontakt. Wer einmal bei einer Immobilien-Anzeigenserie eine Annonce geschaltet hat, dürfte diese oder ähnlich freundliche Werbeversuche kennen:

“Ich lege Wert auf eine faire Serviceleistung und eine verlässliche Zusammenarbeit, um ihre Objekte in möglichst kurzer Zeit zu einem optimalen Preis zu vermitteln. Ich würde Sie gerne bei der Vermarktung Ihrer Immobilie unterstützen.”

Mit anderen Worten: Kaltakquise. Ein Bekannter berichtete mir neulich, dass auf die Annonce einer Immobilie hin ein gutes halbes Dutzend Werbenachrichten bei ihm eintrudelten.

Zu dumm nur, dass diese Art der Werbung bereits seit langem gegenüber Privaten verboten ist. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) stuft eine elektronische oder telefonische Kontaktaufnahme durch einen Unternehmer zu einem Kunden, zu denen keinerlei Geschäftsbeziehungen bestanden, als unzumutbare Belästigung ein. Etwas anderes gilt nur dann, wenn der Kunde im Vorfeld ausdrücklich in die Kontaktaufnahme eingewilligt hat. Dies ergibt sich aus § 7 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 3 UWG. Ein Wettbewerber, aber beispielsweise auch die Verbraucherzentralen könnten wegen dieses Wettbewerbsverstoßes gem. § 8 Abs. 1 UWG auf Unterlassung klagen. Auch Privatpersonen können sich gegen eine unzumutbare Belästigung gem. §§ 823, 1004 BGB wehren.

Auf die deutliche E-Mail meines Bekannten mit der Aufforderung, derartige Werbung zu unterlassen und gegebenenfalls gespeicherte personenbezogene Daten sofort zu löschen, entschuldigte sich einer der Makler immerhin “in aller Form”. Interessant war seine E-Mail-Signatur:

“Think before you print – Erst denken, dann drucken”.

Ein Umweltschützer also. Seine Bemühungen wären wohl noch effektiver, wenn er einfach auf ungefragte Werbung verzichten würde. Denn was nicht versendet wird, kann auch nicht gedruckt werden.


Über den Autor

Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät Privatpersonen sowie kleine und mittelständische Unternehmen in medien- und
verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten. Mehr zu den Tätigkeitsbereichen
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