Bibliothek

Examen ohne Rep: Der Einstieg in die Examensvorbereitung

Bei vielen Studierenden setzt sich langsam aber sicher die Erkenntnis durch, dass eine Wahrheit, an die Generationen von Examenskandidaten vor ihnen geglaubt hatten, nicht absolut wahr ist. Gemeinhin hat der anständige Studierende, will er auch nur ein passables Examen erreichen, auch gefälligst etwas zu investieren. Von nichts kommt nichts, deshalb Brieftasche gezückt und bei einem kommerziellen Repetitorium angemeldet.

Ich selbst bin diesen Weg aus diversen Gründen nicht gegangen. Abgesehen davon, dass ich die Art der Wissensvermittlung in Repetitorien nicht mag und dort nicht selten Scheinwahrheiten und Legenden verbreitet werden, kann es doch nicht sein, dass private Unternehmen Bildung kommerzialisieren und den „einfachen und effizienten Weg“ versprechen, den es einfach nicht gibt. Insofern kann ich Prof. Lorenz in seiner Kritik an kommerziellen Reps nur zustimmen, der schreibt:

„Wer der Empfehlung von Herrn Wüst (Repetitorium Hemmer) folgt,

Zitat aus der Süddeutschen Zeitung vom 7.9.1999:

‚Was hat so einer denn für eine Lebensqualität, wenn er von Anfang an paukt“, raunzt Wüst. Er kannte die Bibliothek bis zum sechsten Semester nicht von innen. Sagt er. „Ich bin in der Zeit 400 000 Kilometer mit dem Motorrad gefahren. Wusste, erst beim Rep geht es richtig los.‘

darf sich anschließend nicht darüber beklagen, die Universität treibe ihn zum Repetitor. Er wird übrigens – abgesehen von den Kosten und dem Verlust an Lebensqualität bei sturer Paukerei – auch kein guter Jurist. Es läßt sich vielleicht eine Klausur, nicht aber das richtige Leben mit der – im übrigen banalen – „Hemmer-Methode“ meistern.“

In meiner ersten kleinen Artikelserie möchte ich mich daher der Vorbereitung auf das erste Staatsexamen ohne (kommerzielles) Rep widmen.

1. Der Einstieg in die Examensvorbereitung oder auch: Die Vorbereitung der Vorbereitung

Wie ein Examen ohne Rep aussehen kann, haben bereits viele ehemalige Studierende geschrieben. Viele der Websites, die sich mit dem Thema beschäftigen sind brauchbar und vermitteln einen ganz guten Überblick, welche Möglichkeiten man hat, seine Examensvorbereitung zu gestalten. Ich selbst habe mir im Netz wertvolle Anregungen geholt, die ich dann allerdings nicht unwesentlich modifiziert habe. Patentrezepte gibt es natürlich nicht und ich kann natürlich nur meine eigenen Erfahrungen schildern und hoffen, dass sie dem einen oder anderen eine kleine Hilfe sind.

Wie geht man nun vor, wenn man sich auf die 1. Staatsprüfung vorbereiten will? Ich halte es für sinnvoll, zunächst die Grundfragen zu klären:

  • Wann will ich ins Examen?
    Diese erste Frage ist entscheidend, denn die Art der Vorbereitung hängt naturgemäß von der zur Verfügung stehenden Zeit ab. Man sollte durchaus genug Zeit einplanen, ich habe etwas über ein Jahr vor dem Examen angefangen zu lernen. Das hat ganz gut geklappt. Wichtig ist es meiner Meinung nach, einen festen Examenstermin festzulegen. Ein paar Studierende, die ich kennengelernt habe, haben den Examenstermin immer weiter vor sich her geschoben und sich schlicht nicht getraut, zum Examen anzutreten. Es empfiehlt sich daher, einen oder zwei Monate auszuwählen, die fest für das Examen vorgesehen sind.
    Die Frage, ob man Abschichten sollte oder nicht, muss jeder für sich selbst beantworten. Ich selbst habe abgeschichtet und es hat mir denke ich nicht geschadet. Der Vorteil: Man kann die Prüfungssituation live erleben und kennt daher den Ablauf der Prüfung bereits. Ich habe damals im Dezember die Strafrechtsklausur abgeschichtet und dann im September im darauf folgenden Jahr die weiteren Examensklausuren hinter mich gebracht.
  • Was ist der Prüfungsrahmen?
    So manch ein Jura-Studierender hat sein Studium (mitunter erfolgreich) absolviert, ohne sich auch nur ein Mal die Rechtsgrundlagen näher anzusehen, die für die 1. Staatsprüfung gelten. Da einem zu Beginn der Vorbereitung sowohl das Prüfungsverfahren fremd ist als auch einem der Stoffberg schier riesig erscheint, schadet es nicht, das aktuelle JAG seines Bundeslands einmal aufzuschlagen.
    In Nordrhein-Westfalen ist dies beispielsweise das JAG NRW vom 11.03.2003. Das Prüfungsverfahren wird detailliert in den §§ 7 ff. geregelt. Hinzuweisen ist auf § 11 JAG NRW, in dem die Prüfungsgegenstände festgelegt sind. Weitere Informationen erhält man auf der Website des jeweils zuständigen Prüfungsamts. Insbesondere sollte man die bei der Anmeldung zur Prüfung einzureichenden Unterlagen (z.B. beglaubigte Geburtsurkunde) frühzeitig beschaffen.
  • Wie viel Zeit pro Woche will ich einplanen?
    Ich habe einen Wochenplan aufgestellt, in dem ich von Montag bis Samstag festgelegt habe, welche Rechtsgebiete ich bearbeiten will. So war bei mir Zivilrecht Montag, Mittwoch und Freitag dran, Dienstag und Donnerstag teilten sich Straf- und Öffentliches Recht im wöchentlichen Wechsel. Samstag habe ich Klausuren im Klausurenkurs an der Uni geschrieben. Dabei habe ich nicht von morgens bis abends gelernt, sondern mir vier bis fünf Lektionen á 1 1/2 Stunden pro Tag vorgenommen, flankiert von einer einstündigen Mittagspause. Wie viele Lektionen ich an einem Tag gemacht habe, hing vor allem von meiner Tagesform ab. Mal war es mehr, mal weniger.
    Quatsch ist es zu versuchen, viel mehr als sechs Stunden an einem Tag lernen zu wollen. Der Mensch kann nur eine gewisse Menge an Informationen am Tag aufnehmen und behalten. Weniger ist manchmal mehr!
  • Welche Voraussetzungen müssen für ein effizientes Lernen erfüllt sein?
    Zu guter Letzt solltet ihr euch fragen, was nötig ist, damit ihr gut lernen könnt. Das bedeutet, dass ihr an einem Ort lernt, der euch hilft, euch zu konzentrieren. Ich konnte beispielsweise überhaupt nicht zu Hause lernen, weil ich dort viel zu abgelenkt war. Ich habe mich daher in die Bibliothek verkrümelt und dort meinen Tag ohne Handy und bei ausgeschaltetem WLAN am Laptop verbracht.
    Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss von ausreichendem Schlaf, ausgewogener Ernährung und (bei mir vor allem) regelmäßigem Sport. Ich habe mich daher direkt beim Fitnessstudio meines Vertrauens angemeldet und gehe bis heute regelmäßig hin.

Wer diese Fragen für sich beantwortet, kann in die konkrete Planungsphase übergehen. Mein zweiter Beitrag wird in diesem Sinne die Themen Eingrenzung, Erarbeitung und Wiederholung des zu lernenden Stoffs sowie Auswahl geeigneter Literatur behandeln.

Zum Schluss noch ein paar Links zum Examen ohne Rep:

Hier geht es zum Teil 2 und hier zum Teil 3 der Serie „Examen ohne Rep“.

Update: Mehr Examenstipps? Folgt mir bei Facebook oder schickt mir eure Fragen per E-Mail.


Über den Autor

Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät Privatpersonen sowie kleine und mittelständische Unternehmen in medien- und
verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten. Mehr zu den Tätigkeitsbereichen
erfahren Sie hier.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

    Sie haben Fragen zu einem Rechtsproblem? Hinterlassen Sie hier eine Rückrufbitte.
    Datenschutzerklärung