Darf ich mich gegen Horror Clowns wehren?

Wie das NRW-Innenministerium mitteilt, sind in den letzten Wochen mehr als 100 Vorfälle gemeldet worden, bei denen sogenannte „Horror-Clowns“ beteiligt waren, allein am letzten Wochenende sollen es 86 gewesen sein. Es handelt sich um Menschen in gruseligen Clowns-Kostümen, die Passanten erschrecken – und dabei häufig nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks übertreten. Natürlich sind nicht alle Horror Clowns gleich, ein bisschen Grusel ist selbstverständlich erlaubt und auch in Ordnung, wenn es sich halbwegs im Rahmen hält. Wer aber Kindern mit einer Axt hinterher rennt oder Radfahrer vor Schreck vom Sattel holt ist nicht lustig, sondern ergötzt sich in sadistischer Weise an der Panik der Opfer. Muss das sein?

Gefahr für sich und andere

Manchen Clowns scheint es egal zu sein, dass sie andere und auch sich selbst in Gefahr bringen. Sie schaffen bedrohliche Situationen, die leicht außer Kontrolle geraten kann. Wer um Leib und Leben fürchtet, wird sich möglicherweise körperlich zur Wehr setzen – und darf das auch.

Anderen nachts auf der Straße mit einem Messer aufzulauern, kann eine strafbare Nötigung im Sinne des § 240 Strafgesetzbuch (StGB) oder auch eine Bedrohung gemäß § 241 StGB darstellen. Es handelt sich dann um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff, den der Bedrohte mit Gewalt abwehren darf. Strafrechtlich handelt nach § 32 StGB nicht rechtswidrig, wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist. Er darf dabei alle Mittel verwenden, die geeignet und erforderlich sind, um den Angriff effektiv zu beenden. Selbst schwere Verletzungen des Angreifers können dann gerechtfertigt sein, der Bedrohte bleibt straflos.

Das gilt auch dann, wenn der Bedrohte aus Angst die Grenzen der Notwehr überschreitet, weil er mehr tut, als zur Abwehr des Angriffs notwendig ist. § 33 StGB bestimmt: „Überschreitet der Täter die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft.“

Notwehr: Der Einzelfall ist entscheidend

Dabei ist immer zu berücksichtigen, wie sich der Clown verhält. Steht er in einiger Entfernung nur da, dürfte ein Angriff nicht vorliegen, selbst wenn er ein Messer in der Hand haben sollte. Bei einem Clown, der einen verfolgt, auf einen zurennt oder körperlich bedrängt, dürfte dies anders zu sehen sein, wobei hier Vieles vom Einzelfall abhängt.

Trotzdem: Auch wenn es in Notsituationen erlaubt ist, körperliche Gewalt anzuwenden, sollte an erster Stelle stehen, dass niemand verletzt wird. Wer weiß, wer sich hinter der Maske verbirgt? Es ist zu hoffen, dass so manche Auswüchse des Phänomens „Horror Clowns“ noch vor Halloween wieder verschwinden – und in den nächsten Jahren nicht wieder kommen.


Über den Autor

Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät Privatpersonen sowie kleine und mittelständische Unternehmen in medien- und verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten. Mehr zu den Tätigkeitsbereichen erfahren Sie hier.

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