Advent, Advent, die Bude brennt…

In der schönen Weihnachtszeit geht es hektisch zu. Die Wohnung schmücken, die Geschenke kaufen, Karten schreiben, da freut man sich doch darauf, sich nach getaner Arbeit ein wenig entspannen zu können.

Blöd nur, wenn daraus nicht viel wird, weil die Wohnung in Flammen steht. Brandunfälle gibt es zu Weihnachten ziemlich häufig und nicht selten beschäftigen sie einige Zeit später die Gerichte. Mittlerweile schon ein Klassiker ist das Urteil des OLG Düsseldorf vom 21.09.1999 (Az: 4 U 182/98):

„Am 1. Weihnachtsfeiertag 1997 entzündete der Kläger nach dem Aufstehen zunächst im Wohnzimmer die Kerzen des aus echtem Tannengrün gebundenen Adventskranzes, der auf einer Glasplatte auf dem mit einer Kunststofftischdecke gedeckten Wohnzimmertisch stand. Anschließend bereitete er in der Küche den Frühstückskaffee zu und begab sich nach einem Blick auf den Adventskranz wieder in das Schlafzimmer, um seine Lebensgefährtin zu wecken, von der er danach aufgehalten wurde. Er verließ das Schlafzimmer erst einige Zeit später. Dabei bemerkte er Brandgeruch und Rauchschwaden im ganzen Haus, die durch den Adventskranz im Wohnzimmer verursacht wurden, der sich zwischenzeitlich entzündet hatte. Die alarmierte Feuerwehr mußte nicht mehr eingreifen, da es dem Kläger bis zu ihrem Eintreffen gelang, den Brand selbst zu löschen.“

Soweit das OLG Düsseldorf zum Sachverhalt. Nun war natürlich die Frage, ob unser Pechvogel, der nur etwas Zeit mit seiner Liebsten verbringen wollte, auch noch auf dem Schaden sitzen bleiben sollte. Seine Versicherung war ihm gegenüber jedenfalls nicht weihnachtsmilde. Grob fahrlässig sei das Verhalten des Versicherungsnehmers gewesen.

Das OLG Düsseldorf hingegen war gegenüber dem Versicherungsnehmer sehr verständnisvoll. In beinahe rührend einfühlsamer Weise argumentiert das Gericht seinen Gunsten.

Sicher, objektiv war das Brennenlassen der Kerzen über so eine lange Zeit. Subjektiv sei dies dem Versicherungsnehmer aber nicht vorzuwerfen gewesen:

„[Die Beklagte] hat die Einlassung des Klägers, er habe sich nur kurz ins Schlafzimmer begeben wollen, um seine Lebensgefährtin zu wecken, nicht entkräften können. Unwidersprochen ist das Landgericht davon ausgegangen, daß der Kläger nach dem Betreten des Schlafzimmers aufgrund der „körperlichen Reize“ seiner Lebensgefährtin nicht mehr an den brennenden Adventskranz gedacht habe. Für die Darstellung des Klägers, von seiner Lebensgefährtin ungeplant abgelenkt worden zu sein, spricht im übrigen, daß er unstreitig den Frühstückskaffee bereits zubereitet hatte, als er sich in das Schlafzimmer begab. Sein Verhalten erscheint danach zwar fahrlässig, aber – unabhängig davon ob der Aufenthalt im Schlafzimmer 15 oder bis zu 60 Minuten dauerte – nicht in einem Ausmaß schuldhaft, welches als unverzeihlich und damit als vorwerfbar grob fahrlässig einzustufen wäre (vgl. Senat, NVersZ 1998, 41; OLG München NVersZ 1999, 336). In diesem Zusammenhang berücksichtigt der Senat, daß es sich bei dem Brennenlassen der Kerzen auf leicht entflammbarer Unterlage nicht um eine für den Kläger alltägliche, sich ständig wiederholende und deshalb routinemäßig beherrschte Gefahrensituation handelte. Die durch das unbeaufsichtigte Brennenlassen von Adventskranz- oder Weihnachtsbaumkerzen entstehende besondere Gefahrensituation ergibt sich vielmehr nur in der Weihnachtszeit. Es erscheint deshalb in subjektiver Hinsicht nicht als unverzeihliches Fehlverhalten, daß der Kläger sich der von dem Adventskranz ausgehenden Gefahr während seines nach der Ablenkung durch seine Lebensgefährtin ungeplant verlängerten Aufenthalts im Schlafzimmer zeitweilig nicht mehr bewußt war.“

Fotoquelle: apparena (CC-Lizenz)


Über den Autor

Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät Privatpersonen sowie kleine und mittelständische Unternehmen in medien- und
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