4 gute Vorsätze für Jura-Studis zum neuen Semester

Zum anstehenden Wintersemester werden wieder mehr Jura-Studierende in den Vorlesungen und Bibliotheken sitzen. Ihr Ziel ist das Examen, aber wie ist es zu erreichen? Zahlreiche Bücher und Ratgeber geben brauchbare Tipps. Aus meiner eigenen Studien- und Examenserfahren möchte ich vier gute Vorsätze beisteuern, über die es sich nachzudenken lohnt.

1. Den eigenen Fähigkeiten vertrauen

„Die Angst lähmt mich“, „Ich drehe bald durch“, „Selbstzweifel“. Diese und ähnliche Überschriften findet man online in Foren, in denen sich Jura-Studierende über ihr Fach und das Examen austauschen, massenweise. In der ZEIT gab es vor kurzem eine Serie zum Jurastudium mit differenzierenden Beiträgen. Der letzte Satz eines (lesenswerten!) Artikels von Julian Krüper und Judith Brockmann bringt es auf den Punkt:

„Angst kann effektiver Motivator sein, das jedenfalls ist an Studierenden des Rechts seit Generationen erprobt.“

Das Studium ist für viele keine schöne Zeit, nicht wenige berichten von Erkrankungen infolge des (gefühlt oder real) auf ihnen lastenden Drucks. Ein Problem, das auch mit dem Ausbildungssystem zusammenhängt, das Juristinnen und Juristen durchlaufen. Alle Bemühungen sind vom ersten Semester an auf das Examen gerichtet. Denn egal welche Leistungen während der Studienzeit erbracht werden, am Ende zählen die Noten in den Examensklausuren und der mündlichen Prüfung. Der universitäre Schwerpunkt zählt zwar auch 30 % der Endnote, wird aber (so vermute ich) von allen als deutlich besser zu meistern empfunden.

Das System der juristischen Ausbildung ist aber nur die eine Quelle der Angst, neben ihr gibt es zahlreiche weitere. Horrorgeschichten von Mitstudierenden, ProfessorInnen, die in der ersten Vorlesung auf die hohe Durchfallquote hinweisen und viele mehr. Einen erheblichen Anteil hat allerdings das von fast allen Juristinnen und Juristen vor sich her getragene Mantra, das Examen sei so verdammt schwierig. Da ist natürlich was dran, aber dennoch: Wer sich vor einer Klettertour einredet (oder einreden lässt), der Berg sei so verdammt hoch, nur ganz wenige könnten ihn erklimmen können und dann auch noch sieht, dass manche Tag und Nacht trainieren, wird schon vor dem Aufstieg Selbstzweifel entwickeln. Man kann immer mehr lernen, mehr lesen, mehr Zeit in der Bibliothek verbringen. Aber Fakt ist, dass kein Mensch die Massen an möglichen Fallkonstellationen lernen kann, dass jeder Mensch seine Regenerationszeit braucht – und dass diejenigen, die vorgeben zehn Stunden oder mehr zu lernen, nur bluffen.

Jura-Studierende müssen Strategien entwickeln, wie sie mit dem Druck und der Angst umgehen. Entscheidend dürfte sein, aufzuhören anderen blind nachzulaufen und dem, was man über den Flurfunk aufschnappt, unhinterfragt Glauben zu schenken. Wer den eigenen Fähigkeiten vertraut und mit System schult, braucht sich vor dem Examen nicht zu fürchten. Schluss damit, in Scharen zu kommerziellen Repetitorien zu rennen und sich teuer Fälle vorkauen zu lassen. Dass das nicht sein muss und man sich auch ohne Rep auf das Examen vorbereiten kann, habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Die meisten Unis bieten heute gute Möglichkeiten, sich auf das Examen vorzubereiten. Aber auch wenn das universitäre Angebot vor Ort nicht so gut aussieht: Wie soll sich etwas ändern, wenn niemand Veränderungen einfordert?

Große Veränderungen wird es natürlich nicht über Nacht geben. Dennoch wäre schon viel gewonnen, wenn langsam ein Umdenken in der Studierendenschaft wider den Herdentrieb einsetzen würde.

2. Einen Standpunkt vertreten

Nach meiner Wahrnehmung befinden sich viele Studierende in einem permanenten gefühlten Dilemma. Sie haben gelernt, warum ein Sachverhalt so oder so gesehen werden kann, beziehen aber keine Position. Wenn sie es müssen, z.B. in einer Klausur, tun sie dies entweder übervorsichtig oder sie orientieren sich an der Erwartungshaltung eines fiktiven Prüfers bzw. der herrschenden Meinung. Sie verzichten darauf, die rechtlichen Zusammenhänge kritisch zu beurteilen. Dabei ist es genau das, was sie in Klausuren und Hausarbeiten zeigen sollen.

In früheren Semestern mag dies dem noch fehlenden Judiz geschuldet sein, die herrschende Meinung bietet in dieser Situation eine Orientierungshilfe. Mit Anwachsen des Wissens fällt es dann vielen schwer, frei zu schwimmen. Dabei liegt es nicht daran, dass sie unfähig wären, sich eine Meinung zu bilden. Es ist merkwürdig, aber ich habe einige meinungsstarke Personen erlebt, die in juristischen Zusammenhängen keinen klaren Standpunkt vertreten.

Deshalb: Keine Angst davor, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln und zu vertreten. Die Qualität der Argumente zählen, nicht Autoritäten.

3. Sich für etwas begeistern und engagieren

Klar, nicht alle studieren Jura, weil sie am Fach selbst interessiert sind. Das muss auch nicht sein, oft kommt der Appetit beim Essen. Gerade im eher theorielastigen Studium braucht das Interesse einen Anstoß, am besten durch praktische Bezüge. Damit meine ich nicht, in einer Kanzlei als Hilfskraft zu arbeiten. Vielmehr geht es darum, sich für etwas zu begeistern und zu engagieren. Wer ehrenamtlich Flüchtlinge unterstützt oder sich gegen Nazis einsetzt, findet zahlreiche Möglichkeiten, juristisches Wissen anzuwenden und erlangt dabei Wissen und Fertigkeiten, die auch in anderen Bereichen nützlich sind. Ohne meine politische Arbeit, wäre mir in Studium und Referendariat einiges schwerer gefallen.

Für eine Sache einzustehen, gesellschaftliche Zusammenhänge zu durchblicken, einen kurzen und verständlichen Text für ein Flugblatt verfassen – all das lenkt nicht nur vom Studium ab, sondern fördert es sogar. „Keine Zeit für Engagement, ich muss lernen“ gilt nicht (wobei der Umfang des Engagements immer im Blick behalten werden muss, das Studium soll trotzdem nicht zu kurz kommen).

4. Mehr Pausen machen

Am Ende gibt es jetzt noch den obligatorischen Lerntipp. Wenn ihr konzentriert lernt, dann sollten regelmäßige Pausen fester Bestandteil sein. Jede halbe Stunde für ein paar Minuten reicht völlig. Wer versucht, am Stück zu lernen, am besten noch kurz vorm Examen, wird weniger behalten. Wichtig sind außerdem freie Tage, an denen ihr anderen Aktivitäten nachgeht (siehe 3.). Probiert es aus, es hilft wirklich.

Fragen zum Studium und Examen ohne Rep? Hinterlasst mir einen Kommentar oder schreibt mir eine E-Mail!


Über den Autor

Jasper Prigge ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er berät Privatpersonen sowie kleine und mittelständische Unternehmen in medien- und
verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten. Mehr zu den Tätigkeitsbereichen
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